CHRISTINE LJUBANOVIC

 
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Die ungewöhnlichen Blickwinkel einer Künstlerin
auf ihren Reisen

Tiroler Tageszeitung, Innsbruck (Austria) 3./4. November 1990 – Edith Schlocker

Exhibition COUNTRY PORTRAITS
Galerie Elefant in der Burg Hasegg, Hall, Austria 1990

Die aus dem Tiroler Oberland stammende, in Paris lebende Künstlerin Christine Ljubanovic
stellt in Hall aus.

Ungewöhnliche Reisebilder sind jene von Christine Ljubanovic, die die seit 27 Jahren in Paris lebende Zammerin derzeit in der Galerie Elefant in der Haller Burg Hasegg zeigt. Die an der Wiener Akademie für Angewandte Kunst zur Gebrauchsgrafikerin ausgebildete Künstlerin, die sich professionell auch mit dem Illustrieren von Büchern und mit der Fotografie auseinandersetzt, verbindet in ihren autonomen künstlerischen Arbeiten gerne die verschiedensten Techniken, wobei das Arbeiten in Serien für sie als Ausdrucksmittel sehr wichtig ist.

Dies zeigt sich auch bei ihren »Country Portraits mixed media«, die sehr eindrückliche, sehr persönliche Reflexionen von ihrem Leben in Paris, von Reisen nach Mexiko, Moskau, in den Bregenzerwald, nach Tunesien, Japan und China darstellen. Paris etwa charakterisiert Christine Ljubanovic in einer dreiteiligen Arbeit durch eine für die Dächer dieser Stadt so charakteristische Schiefertafel, deren durch das Licht und das Wetter sich immer wieder wandelndes Grau sie malerisch variiert, verschiedene Spielarten von Emotionen in sich tragend, die sehr persönliche der Künstlerin sind. Ihr Blick aus ihrem Atelierfenster ist das Thema eines anderen Porträts von Paris, wobei der fotografierte Ausschnitt auf allen Sequenzen der gleiche bleibt, in seiner Stimmung variiert allerdings durch wechselnde Farben.



Das spezifische Flair von Mexiko versucht die sensible Künstlerin ebenfalls nicht als pittoreskes Postkartenklischee, sondern durch ganz wenige spezifische Farben und Formen festzuhalten, formal gleichbleibend hier variiert durch den Einsatz verschiedener Materialien, woraus reizvolle Effekte resultieren, die auf einzigartige Weise das Flair dieses für uns exotischen Landes transportieren.

Das Porträt von Moskau reduziert Ljubanovic ebenfalls auf dessen Farben, immer mit Weiß vermischt, formal gestaltet als Hommage an Malewitsch, dessen puristische Formen in Moskau allgegenwärtig sind, festgehalten in Fotos, denen die Künstlerin ihre sehr subtilen malerischen Reaktionen gegenüberstellt.

Eine gebrauchsgrafische Arbeit führte Christine Ljubanovic im vergangenen Jahr in den Bregenzerwald, was sie zu einer unkonventionellen Auseinandersetzung mit dessen Bewohnern inspirierte, aufgehängt an deren Frauentracht mit ihrer naiven aufwendigen Stickerei und ihren symbolbesetzten Farben. Schwarz und Rot sind hier vorherrschend, wie in der Serie über Chinas verbotene Stadt, wo noch das Gold in seiner aggressiven Brutalität dazukommt, mit der Eleganz des gelackten Rot und der Tristesse des Schwarz gleichzeitig nichts und doch alles über dieses Land und seine Menschen sagend.

Denkt man an Chartres, denkt man unweigerlich an die phantastischen Glasfenster seiner Kathedrale. Christine Ljubanovic verkürzt ihr Porträt von Chartres dagegen auf einen Ausschnitt der Tür der Kathedrale, deren vergilbte Strukturen sie mehrfach vergrößerte, bis sie sich verselbständigten, um, auf Pergament übertragen, eine magisch-mythische Transformation der menschlichen Existenz darzustellen.